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1 Vorstellung der Kindertagespflege

Die Kindertagespflege befindet sich in einer separaten Wohnung (Erdgeschoss) auf einem Hinterhof in Bautzen.

Hier betreue und begleite ich bis zu 5 Kinder im Alter von 1-3 Jahren, offen für unterschiedliche Kulturkreise. Die Räume sind entsprechend ihrer Nutzung strukturiert und geben den Kindern Klarheit und Ordnung, damit sie ein wohliges Geborgenheitsgefühl entwickeln können. Die Spielstube mit integrierter Küche bietet den Kindern genügend Platz für vielfältige (Bewegungs-) Erfahrungen.

Alle Materialien zum Spielen und Arbeiten sind für die Kinder frei zugänglich und regen zum selbstständigen Tun an. Zur Wohnung gehören auch ein separates Bad, ein liebevoll gestalteter Schlafraum und ein kleiner Flur.

Das im Sommer  2017 in Elterninitiative neu gestaltete Außengelände vor dem Wohnungseingang ermöglicht den Kindern einen direkten Weg ins Freie. Auch die Nähe zum Stadtwall und zu diversen Spielplätzen ermöglichen uns unkomplizierte Wege zur Umgebungserkundung.


2 Leitbild

Liebe(r) interessierte(r) Leser(in),

mit dem vorliegenden Konzept möchte ich in erster Linie Sie als Eltern ansprechen, die eine gefühlvolle und pädagogisch fundierte Betreuung für ihr Kind in familiärer Atmosphäre suchen. Ich möchte die mir anvertrauten Kinder begleiten und auf ihrem Weg zu weitgehender Autonomie und Selbstgestaltung unterstützen.

Parallel dazu sehe ich den Sächsischen Bildungsplan als einen Begleiter im pädagogischen Alltag, denn er sieht die kindlichen Entwicklungs- und Bildungsprozesse als ganzheitliche Selbstbildungsprozesse, die durch mich wahrgenommen, qualifiziert angeregt und zuverlässig begleitet werden (vgl. Sächs. Bildungsplan 2007). Wie diese Ziele in der täglichen Arbeit umgesetzt werden, ist ein ständiger Entwicklungsprozess, welcher von den Menschen geprägt wird, die uns im Alltag begegnen. Mit Ihnen gemeinsam möchte ich an diesem Entwicklungsprozess arbeiten und daran wachsen. In diesem Sinne freue ich mich auf die gemeinsame Arbeit mit Ihnen und lade Sie dazu ein, die Kindertagespflege kennenzulernen.

Gib dem kleinen Kind einen dürren Zweig, es wird mit seiner Fantasie daraus Rosen sprießen lassen.

Jean Paul


3 Mein Bild vom Kind

Kinder sind Forscher und Entdecker ihrer eigenen Lebenswelt.

Sie haben Freude am selbstständigen Spiel, unterstützend durch ihre natürliche Bewegungsentwicklung, ihre Neugier und Phantasie, ihre Offenheit und Begeisterung, und ihren Drang die Dinge zu (be-)greifen. Besonders in den ersten Lebensjahren sind Kinder sinnesorientiert, d.h. sie nehmen ihre Umwelt mit allen Sinnen wahr und lernen durch ihr eigenes Tun.
Diese Eigenheit ist die Grundlage seiner Selbstbildung und Entwicklung und bedeutet, dass alles Lernen in diesem Alter ein ganzheitlicher, komplexer Vorgang ist – es ahmt nach. Mit dieser wunderbaren Fähigkeit zur Nachahmung erfahren sie eine Vielfalt an Sinneseindrücken, welche sie im Spiel verarbeiten. Um Kindern eine individuelle Entwicklung, ihre Einzigartigkeit zu ermöglichen, benötigt es Raum und Zeit und diese möchte ich ihnen im Alltag geben. Denn wie der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther sagt, dient „die ganze Phase der frühen Kindheit eigentlich dem freien Spiel, denn Spielen ist Potenzialerkundung“, und dieser möchte ich in Augenhöhe den Kindern gegenüber begegnen.

Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn, wenn man genügend spielt, solange man klein ist, dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer ist.

Astrid Lindgren


4 Ich als Begleiterin für Ihr Kind

Als ausgebildete Ergotherapeutin wagte ich vor ein paar Jahren mich noch einmal auf die Schulbank zu setzen, was durch meine Sehnsucht getragen wurde im engen Kontakt mit Kindern zu arbeiten.

Die Freude im Zusammensein und Zusammenleben mit Kindern bestätigte sich während meiner 4-jährigen berufsbegleitenden Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Es entstand eine besondere Beziehung zum Kind, geprägt von den Grundlagen der Montessori- als auch der Waldorfpädagogik. Mein besonderes Einfühlungsvermögen, meine lebensfrohe und offene Art verhelfen den Kindern meist schnell Zugang zu mir zu finden, die fröhliche Atmosphäre zu genießen und sich zu wagen, sich als Persönlichkeit zu zeigen. Auch sehe ich die Tagespflege als eine wunderbare Möglichkeit, Kleinkindern mit Respekt und Achtsamkeit im Sinne der ungarischen Ärztin Emmi Pikler zu begegnen. Als Begleiterin der Kinder bin ich in ständiger Beobachtung der einzelnen Kinder, der sozialen Bindungen der Kinder untereinander und der eigenen Person in diesem Zusammenspiel.
Meine langjährige Berufserfahrung als Selbstständige (Handwerk Filzen), als Erzieherin und als Mutter zweier Kinder haben mich dazu veranlasst, frei und eigenverantwortlich mit Kindern zu arbeiten.

Das Spiel des Kindes ist der erste und heilige Beruf des Menschen.

J.H.Pestalozzi

 

 


5 Sorbisch als Alltagssprache

Eine besondere Rolle in unserer kleinen Gruppe spielt der alltägliche Umgang mit der sorbischen Sprache.

Als Muttersprachlerin möchte ich den Kindern die sorbische Sprache erlebbar machen, sie lebendig und authentisch vermitteln. Dadurch erhalten die Kinder die Möglichkeit, die sorbische Sprache spielerisch und selbstverständlich zu erlernen bzw. zu erweitern. Auch Kinder aus deutsch und/oder anders sprechenden Elternhäusern können die Tagespflege besuchen und erhalten so die Möglichkeit, die sorbische Sprache spielerisch verstehen und sprechen zu lernen als auch zwei-/oder mehrsprachig aufzuwachsen.

Falls Ihr Kind die sorbische Sprache nicht zur Muttersprache hat, wird es am Anfang während der Eingewöhnungszeit noch nicht direkt auf sorbisch angesprochen, um eine behutsame Erstbegegnung zu ermöglichen.


6 Eingewöhnungszeit

Die Eingewöhnungszeit ist eine sensible Zeit, ...welche das Kind benötigt, um sich in seiner neuen Umgebung zu orientieren, neue Beziehungen einzugehen und Vertrauen aufzubauen.

Ein sanfter und achtsamer Beginn hilft ihm, die ersten Schritte in einen neuen Lebensabschnitt zu gehen. Deshalb habe ich für Sie einige Empfehlungen zusammengestellt, wie Sie Ihr Kind während dieser Zeit unterstützen und begleiten können:

  • Ihr Kind und dessen Bedürfnisse bestimmen das Tempo der einzelnen Schritte der Eingewöhnungzeit.
  • Ihr Kind kommt gemeinsam mit einem Elternteil, dabei sind Sie in den ersten Tagen Besucher und Zuschauer und auch  Ansprechpartner für Ihr Kind.
  • Von anfänglich einer Stunde während des Spiels verlängert sich allmählich die Zeit, in der Ihr Kind gemeinsame Zeit mit uns verbringt. Dabei finden in den ersten Tagen keine Trennungsversuche statt, auch wenn sich das Kind sichtlich wohlfühlt.
  • Ab dem 4. Tag können Sie sich schrittweise zurückziehen, in dem Sie kleine überschaubare Tätigkeiten übernehmen wie z.B. Wolle zupfen oder kleine Holzklötze schleifen.
  • Später, auch wenn Sie nur für kurze Zeit den Raum verlassen, verabschieden Sie sich von Ihrem Kind und bleiben in unmittelbarer Nähe, so dass Sie jederzeit gerufen werden können.
  • Die Zeit des Aufenthaltes Ihres Kindes bei uns wird stetig verlängert, das erste Mal mitschlafen sollte Ihr Kind frühestens nach 2 Wochen.
  • Ihr Kind hat langsam und behutsam Vertrauen zu mir aufgebaut und weiß, dass seine Eltern es jeden Tag zuverlässig abholen.
  • Trauen Sie sich Fragen zu stellen, dafür stehe ich Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

7 Rhythmische Gliederung des Tagesablaufes

Der Tagesrhythmus, welcher im Wechsel von Aktivität und Ruhe, von freiem und geführtem Spiel sowie von festen Essens- und Schlafenszeiten steht, gibt dem Kind Ordnung und Verlässlichkeit

  • 8.00-9.00 Uhr Ankommen der Kinder, Frühstücksvorbereitung und
    gemeinsames Frühstück
  • 9.00 -11.00 Uhr Freies und geführtes Spiel im Haus und Garten
  • 11.00-11.30 Uhr Mittagessen
  • 11.30-12.00 Uhr individuelle Pflege (Ausziehen, Wickeln, Waschen)
  • 12.00-14.00 Uhr Mittagsschlaf
  • 14.00-14.30 Uhr individuelle Pflege
  • 14.30-15.30 Uhr Vesper und Freispiel bis zur Abholung

Die rhythmischen Wiederholungen bestimmter Tätigkeiten, die familiäre und häusliche Atmosphäre geben dem Kind Sicherheit und Orientierung und helfen bei der Eingewöhnung. Reime, Lieder, Verse, Kniereiter-und Handgestenspiele baue ich in den Tageslauf mit ein. Die Freude an solcher Betätigung hilft dem kleinen Kind auch über den Trennungsschmerz in der Eingewöhnungszeit hinweg. Sollte ein Kind noch einen Vormittagsschlaf benötigen, so ist das individuell möglich.

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

(Friedrich Schiller)


8 Gesundheit und Ernährung

Kinder lernen und erleben ihre Umwelt mit allen Sinnen.

Sie sind neugierig, wollen Neues erkunden, ausprobieren und genießen. Das gilt für das Spielen genauso wie für das Essen und dieses soll Spaß machen, schmecken und auch noch gesund sein. So können die Kinder das Frühstück und die Vesper mit vorbereiten. Ich achte besonders auf Ausgewogenheit und Qualität der Lebensmittel.

Deshalb stehen auf unserem Speiseplan Vollkornprodukte, frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte und natürliche Süßungsmittel wie Honig oder Agavensirup. Dabei lege ich großen Wert darauf, dass die Lebensmittel aus regionalen und saisonalen, z.T. auch aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. Als Getränke biete ich meist Wasser, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee an. Glücklich bin ich über die Kooperation mit » kinderleichtessen Dorit Bieler als Essenanbieter, welcher alle Speisen selbst und frisch zubereitet und uns täglich das Mittagessen liefert.


9 Ziele für meine pädagogische Arbeit

Bewegungsentwicklung, Sinnesreize und Wahrnehmung, Emotion und Sprache

Etwa zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr vollzieht sich die kindliche Entwicklung in drei großen Schritten: dem Aufrichten und Gehen, dem Sprechen und dem Denken. Das Kind entwickelt sich zu einem individuellen Wesen, es lebt sich spielerisch und vertrauensvoll in die Welt, in seine Umgebung, hinein. Das Wesentliche ist, dass sich das kleine Kind mit seinem inneren Bauplan aus eigenen Kräften, ohne fremde Hilfe und nach seinem eigenen Rhythmus entwickelt.

Daraus ergibt sich eine wichtige Aufgabe für mich als Erwachsene: die liebevolle Begleitung, Zuwendung und Sorge um eine geschützte Umgebung für das Kind, in welcher es sich entfalten kann. Das Kind benötigt klare und überschaubare Formen, an denen es lernen und sich orientieren kann. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Räume für ein schöpferisches und phantasievolles Spielen eine gewisse Qualität und eine Vielfalt an Sinnesreizen bieten, unterstützend durch eine ruhige, fröhliche und liebevolle Atmosphäre, in welcher ich als Erwachsene die Kinder zurückhaltend und beobachtend in ihrem Spiel begleite. So entstehen im täglichen Spiel mit Hockern, Kisten, Tüchern und anderen Elementen Bauwerke, welche die Bewegungsentwicklung anregen, den Gleichgewichtssinn fördern und Bewegungsvarianten ermöglichen.

Das gesamte pädagogische Angebot, die Raumgestaltung, das Material und das Spielzeug ermöglichen den Kindern eine Vielfalt an Sinnesreizen, welche von ihnen wahrgenommen und zur Weiterreifung aktiviert werden. Die rhythmisierende Gliederung des Tagesablaufes, immer wiederkehrende Rituale und das Erleben von Jahresfesten geben dem Kind Halt und Geborgenheit und stärken das Gemeinschaftsgefühl.


10 Fortbildung, Praxisbegleitung und kollegiale Vernetzung

Ein wichtiger Bestandteil meiner pädagogischen Tätigkeit ist die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen.


Die Stadt Bautzen, das Jugendamt und der Verein für Kindertagespflege Bautzen e.V. stehen mir als Partner zu Seite. Bei der Vermittlung von Tagespflegekindern, von Ersatzbetreuern, der Beratung zur Zusammenarbeit mit den Eltern und als Informationsquelle für Fortbildungen stehen mir diese Kooperationspartner zur Verfügung.

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Tagesmüttern und Tagesvätern ist für mich sehr bedeutend. Damit dient dieser Kreis dem Ausgleich zur täglichen Isolation und ist Hilfe für Problembesprechungen und Selbstreflexion.

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.

Afrikanisches Sprichwort


11 Elternarbeit / Partizipation

Eltern sind mir wichtig, deshalb nehme ich mir Zeit für Sie, denn Sie sind die Experten für Ihre Kinder, denn das Miteinander zwischen Eltern und mir ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit.

Ich möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen und deshalb wünsche ich mir gegenseitige Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Ich biete Ihnen als Eltern einmal im Jahr ein Entwicklungsgespräch an, um über Ihr Kind zu sprechen. Bei den täglichen Tür- und Angelgesprächen haben Sie die Möglichkeit, mit mir über das Erlebte des Tages zu sprechen und notwendige Absprachen zu treffen. Auf Wunsch besteht auch die Möglichkeit eines Hausbesuches.

Meine Arbeit in der Kindertagespflege dokumentiere ich durch den Aushang wichtiger Informationen im Eingangsbereich, anhand eines pädagogischen Tagebuches, eines individuellen Fotoalbums als auch einer Bildermappe für jedes Kind. Diese Dokumentationsinstrumente sind transparent gestaltet und jederzeit einsehbar und geben somit Einblick in meine pädagogische Arbeit. Gemeinsame Feste und sorbische bzw. jahreszeitliche Bräuche sollen den Eltern die Möglichkeit geben, sich auch untereinander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.
Nach Absprache freue ich mich über ein aktives Mittun Ihrerseits. So können Eltern und Interessierte mal einen Tag mit uns verbringen oder Anregungen und Anstöße im Alltag geben. Auch bei kleinen Festen, Ausflügen oder anderen Aktivitäten wie z.B. das sehr beliebte Elterncafé, welches vierteljährlich stattfindet, vertraue ich auf die Mithilfe der Eltern.

Außerdem gibt es Anpacktage, an denen sich die Familien mit ihren Kindern zum gemeinsamen Schaffen in der Kindertagespflege treffen, um einen Frühjahrsputz / Herbstputz, diverse Reparaturmaßnahmen oder die Gestaltung des Außengeländes zu ermöglichen.
Arbeiten macht hungrig und so genießen wir danach gemeinsam ein leckeres Picknick.



12 Abschluss

Meine Impulse für die tägliche pädagogische Arbeit schöpfe ich aus den Erfahrungen und Beobachtungen Emmi Piklers („Lasst mir Zeit“), aus den Grundlagen der Pädagogik von Maria Montessori („Hilf mir, es selbst zu tun.“) und der Waldorfpädagogik nach Rudolf Steiner („Das Kind ist ganz Sinnesorgan.“).

Mit diesem Konzept hoffe ich, dass Sie einen ersten Eindruck in meine tägliche pädagogische Arbeit bekommen konnten. Ich bin der Ansicht, dass Kontinuität in der Betreuung, ein liebevoller und ruhiger Umgang mit Kindern, eine positive und vorbildschaffende Rolle des Erwachsenen und das eigene fröhliche, aufgeweckte und offene Interesse gegenüber der Umwelt Kindern auf ihrem Weg durch das Leben als grundlegender Wegbereiter dienen.

 

Eigentlich brauchen Kinder nur drei Dinge: Aufgaben an denen sie wachsen können, Vorbilder an denen sie sich orientieren können, Gemeinschaft in der sie sich aufgehoben fühlen.

Prof. Dr. Gerald Hüther